Das Buch "Jane Eyre" von Charlotte Brontë, der ältesten der Brontë-Schwestern, ist ein berühmter viktorianischer Roman von 1874. Er erzählt die Geschichte der Waisen Jane Eyre, die dank einer glücklichen Wendung und ihrem resoluten Charakter endlich die Chance auf Glück und ein Leben nach ihren eigenen Regeln erlangt.

Ich habe dieses Buch ausgesucht, nachdem ich den Film "Wuthering Heights" (Sturmhöhe) nach dem gleichnamigen Roman von Emily Brontë gesehen habe. Ich fand die im Film behandelten Themen spannend und hatte noch nie ein Buch der Brontë-Schwestern gelesen, deshalb beschloss ich, mit diesem anzufangen ("Wuthering Heights" steht auch auf meiner Liste).
Das Leben einer Waisen im England des 19. Jahrhunderts
Der Roman beschreibt das Leben der Waisen Jane Eyre, die ihre Eltern verliert und, ohne weiteren Verwandten, die sich um sie kümmern können, zu ihrer Tante und deren drei Kindern zieht. Diese misshandeln sie und geben ihr stets das Gefühl, eine schlechte Person zu sein (obwohl sie sich bemüht, anständig zu sein). Sie wird an eine Mädchenschule geschickt, die in so einem schlechten Zustand ist, dass viele der Schülerinnen dort sterben. Doch Jane überlebt und bekommt durch ihre Ausbildung die Möglichkeit, Hauslehrerin zu werden. Sie beginnt, für einen Mann und seine Tochter zu arbeiten und verliebt sich in ihn. Als sie entdeckt, dass er bereits verheiratet ist und sie nicht heiraten kann, rennt sie weg und beginnt ein neues Leben.
Obwohl das Buch im 19. Jahrhundert veröffentlicht wurde, als Frauenrechte nicht das waren, was sie heute sind, und viele Frauen zwischen dem gefangen waren, was "das Richtige" war und ihren persönlichen Wünschen, geht es in dem Roman um universelle Themen wie Liebe und Sehnsucht und der Sinn des Lebens.
Die Kämpfe der Frauen im viktorianischen Zeitalter
Während die christlichen Aspekte von Janes Leben, wie das Aufwachsen in einer religiösen Schule und die Beispiele einiger zutiefst gläubiger Menschen in ihrer Umgebung, wie ihr Cousin John und ihre Kindheitsfreundin Helen, die Jane stark beeindrucken, sowie die Klassenzugehörigkeit in der viktorianischen Zeit vielleicht heute befremdlich erscheinen, so sind doch viele Themen des Romans immer noch aktuell.
Jane weiss, dass sie Herr Rochester, den sie liebt, aber der bereits verheiratet ist, nicht heiraten kann. Dennoch sagt ihr ihr Herz, dass sie genau das eigentlich möchte. Dies schien für mich nachvollziehbar und hat mich ihr und ihrem inneren Ringen mit sich selbst nah gebracht. Insbesondere weil es in der Zeit, in der der Roman spielt, für eine Frau nicht einfach war, ohne einflussreiche Beziehungen oder Verwandte über die Runden zu kommen. Sie musste also sicherstellen, dass sie ein Einkommen hatte und sie ihre Position in der Gesellschaft nicht aufs Spiel setzte.
Horror- und Mystery-Elemente
Der Roman enthält einige Horror-Elemente, wie die Figur von Herr Rochesters Frau, die wahnsinnig ist und erst wie ein Geist scheint, weil Jane nichts von ihrer Existenz weiss. Das Mystery-Element erscheint zum ersten Mal, als Jane noch ein Kind ist und in einen Raum eingesperrt ist, in dem jemand gestorben ist. Sie kann nicht schlafen und hat das Gefühl, dass es im Raum spukt. Im Roman erscheinen fantastische Träume als Omen.
Jane ist eine Protagonistin, mit der man eine starke Verbindung aufbaut und für die man Mitleid entwickelt, da sie von ihrer böswilligen Tante und ihren Cousins misshandelt wird und deren Aufenthalt in einer unhygienischen Institution ihr fast das Leben kostet. Man möchte, dass sie Glück findet und versteht dennoch, dass es Teil ihres Charakters ist, eine gute Christin zu sein, zu verzeihen und die richtigen Entscheidungen zu treffen im Einklang mit den Regeln, die ihr beigebracht wurden und nach denen sie ihr Leben versucht zu leben. Diese stehen allerdings oftmals ihren wahren Wünschen gegenüber. Im Allgemeinen ist der Roman eine fesselnde Lektüre, die uns moderne Leser zurück in die Vergangenheit und die englischen Wälder versetzt.
